Wir haben einige heftige Trigger erlebt. Grundsätzlich möchten wir uns schützen und beschreiben keine konkreten Vorfälle. Aber vielleicht können wir vermitteln, wie wir solche Momente erleben, was es mit uns macht.
Malu ist zwar heute dabei, aber es schreibt wer anders. Wir wissen mittlerweile von dem ein oder anderen. Namen fungieren als Telefonbuch. Damit ich mal anklopfen und fragen kann, wie es so geht. Wir versuchen einen Schutzraum in uns aufzubauen. Früher konnten sich einige Personen so gar nicht vorstellen in einer gemeinsamen WG zu leben. Jetzt nach einigen Jahren ziehen die ersten in diese ein. Da waren sie ohnehin schon. Nur wurde eher rein gerufen oder es ging an mir vorbei. Es hilft jedem von uns sich auszuleben und zu sein, auch wenn es in der Außenwelt nicht immer so ist. Es ist ein Rückzugsort. Und ein Ort der Begegnung. Aber nicht alle Personen leben in diesem Haus. Andere halten sich woanders auf.
Diese WG ist eine Vorstellung in uns, aber dennoch real. Tatsächlich findet das, was innen ist teils außen statt. Unsere Wohnung ist Ausdruck dessen. Jemand hatte sehr viel Angst. Die Angst war überwältigend. Wir kümmern uns um ihn. Z.B. ging nur bei Licht schlafen. Lichterketten aufgehängt. Es wurden ein paar Dinge zusammen getragen, die trösten. Wir hatten schon Momente, wo quasi eine kleine Festung errichtet wurde. Es gibt Plätze in der Wohnung, die für bestimmte Personen gedacht sind. Oder Dinge, die dem ein oder anderen gehören.
Mir fällt auf, dass sich in uns was tut, wenn sich Gewohnheiten und Bedürfnisse teils radikal ändern. Ich versuche mittlerweile all das wahrzunehmen und die anderen nicht zu bekämpfen, sondern auf sie einzugehen. Ich könnte auch nicht immer was dagegen tun. Es passiert dann einfach. Ich habe das früher so gut wie möglich zu verstecken versucht. Häufig habe ich mich heftig geschämt, wenn es mich mal wieder überkam. Dieses „Überkommen“ ist aber nichts anderes, als dass sich mehrere oder jemand in mir bemerkbar macht und auch mal übernimmt. Das kann für einen Moment sein oder sich über Tage oder Wochen ziehen. Und „wache“ ich dann wieder auf, kann ich mich mit vielen nicht identifizieren, was geschehen ist.
Dialog ist da wirklich wichtig. So können wir die Situation hoffentlich besser bewältigen und vor allen Dingen selbstbestimmt handeln. Im Interesse von uns allen. Nicht immer ist es ein Dialog. Aber Zuhören hilft auch schon. Anfangs haben wir auch Videos gemacht oder viel geschrieben. So konnten wir andere kennenlernen, wo es im Innen noch nicht so ging. Bei mir war auch viel Verdrängung mit dabei.
Wir erlebten vor kurzem etwas im Außen, was uns an früher erinnerte und tatsächlich was damit zu tun hatte. Das war, als ob ein Zug auf uns zu rollte. In einem Affenzahn. Ich spürte das körperlich. Der Körper ist da ein guter Hinweisgeber. Und wenn es nur der Moment ist, „Stopp“, hier passiert gerade was. Das wahrzunehmen. Sei achtsam. Mich hat es aber fortgerissen. Zumindest innerlich. Ein Aufruhr in mir. Mehrere Tage. Ich war teils machtlos. In der Reflektion weiß ich, was passiert ist. Das konnte ich in der Therapie ansprechen. Es gibt Menschen, wenn sie wissen, wo sie drücken müssen, mir hart zusetzen können. Das kann soweit gehen, dass ich alles in mir in Frage stelle. Aber total. Mind Control ist da so ein Begriff. Es ist immer wieder erschütternd, wie ich da zu packen bin. Auch wenn es nur ein Moment war, wo ich fast umgeknickt bin, so war das ein wirklich erschreckender Moment. Mal abgesehen davon, was es mit uns macht.
Wir reagieren auf so eine Bedrohung. Unangenehm wird es, wenn dann Personen hervor kommen, die gefügig oder unvorsichtig sind. Es gibt Personen in mir, die darauf achten, dass wir uns schützen. Heute ist das nicht immer hilfreich und eben wenig „koordiniert“. Hier glauben wir in Zusammenarbeit besser mit all dem umzugehen. Wir befinden uns heute in einer Situation, in der wir geschützter sind, jedoch immer noch sehr darauf achten müssen, dass es so bleibt. Im Grunde hätten gewisse Menschen keinerlei Macht über uns, wenn wir uns nicht so triggern ließen. Ausgenutzt wird es nach wie vor.
Mir tut es dann sehr leid um alle in mir, denen es dann so schlecht geht. Ich höre immer wieder, es ist wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun. Sich Dingen zuzuwenden, die bereichern, die Freude bereiten. Als dissoziative Persönlichkeit kriegt nicht jeder immer alles mit und jeder braucht vielleicht etwas anderes. Es ist wohl ein Gemeinschaftsaufgabe alle mitzunehmen und neue Wege zu gehen. Da geht es bestimmt auch an der ein oder anderen Stelle Spaltung zu überwinden. Letztlich kann doch niemand was dafür, dass wir solch schlimmen anhaltenden Situationen ausgesetzt waren und irgendwie überleben mussten. Sich da gegenseitig Vorwürfe zu machen hilft nicht weiter.
Jedenfalls wird es nicht gelingen, allem aus dem Weg zu gehen, nur um Trauma nicht wieder erleben zu müssen. Ich glaube und hoffe, es gelingt uns besser Menschen und Situationen einzuschätzen und Triggern zu begegnen. Und schwierige destruktive Menschen, die es nach wie vor in unserem Umfeld gibt, nicht die Macht über einen zu geben. Lieben Menschen hingegen vertrauen zu können. Das ist eine hammerharte Aufgabe für mich, für uns. So vernichtend das Gefühl war, jahrelange Aufarbeitung, in einem Moment als so bedeutungslos zu erleben, so bestärkender ist doch die Erkenntnis, dem doch letztlich begegnen und bestehen zu können. Auch wenn es derzeit noch viel zu viel Kraft kostet.